29. September 2026 — Ramzi Chamat
Schweizer Immobilienmarkt: Analyse und Trends im Herbst 2026

Der Schweizer Immobilienmarkt präsentiert sich im Herbst 2026 in robuster Verfassung und bestätigt damit erneut seine Rolle als sicherer Hafen in einem unsicheren globalen Wirtschaftsumfeld. Während Wüest Partner für das Jahr 2026 ein BIP-Wachstum von +1,3 % prognostiziert, trifft der Immobiliensektor weiterhin auf eine Nachfrage, die das Angebot strukturell übersteigt, was den Aufwärtsdruck auf die Preise aufrechterhält.
Preisdynamik durch strukturelle Verknappung
Die Knappheit an verfügbaren Objekten bleibt der Haupttreiber für die Immobilienbewertung in der Schweiz. Laut den im April 2026 veröffentlichten Analysen von JSRE dürften die Preise für Wohnimmobilien im Jahresverlauf um geschätzte 2,4 % steigen. Diese Tendenz wird durch eine Bautätigkeit verschärft, die mit dem demografischen Wachstum kaum Schritt halten kann. Wie die Agefi im August 2026 betonte, ist die schwache Neubautätigkeit ein entscheidender Faktor, der die Preise stützt und trotz moderater Konjunktur jede grössere Korrektur verhindert.
Leerstandsquote und Mietwohnungsdruck
Der Mietwohnungsmarkt steht unter historischem Druck. Die nationale Leerstandsquote, die im ersten Quartal 2026 bei 1,05 % lag (JSRE), verdeutlicht die Schwierigkeiten für Haushalte, in urbanen Zentren Wohnraum zu finden. Diese Knappheit wird durch Daten aus dem Jahr 2025 bestätigt, in dem die Leerstandsquote auf 1 % (SBFI) gesunken war, bei gleichzeitigem Rückgang der Neubauvorhaben. Für die OAKS GROUP SA unterstreicht diese Situation die Bedeutung einer intelligenten Verdichtung sowie der Sanierung des bestehenden Wohnungsbestands – eine zentrale Herausforderung, zumal 88 % der Schweizer Eigentümer einen Sanierungsbedarf an ihren Immobilien sehen (EY, September 2026).
Zinsumfeld und Finanzierung
Die Landschaft der Hypothekarzinsen bietet Käufern eine willkommene Planungssicherheit. Mit 10-jährigen Hypotheken, die sich bei etwa 1,85 % (JSRE, April 2026) stabilisiert haben, profitieren Haushalte von einem vorhersehbareren Finanzierungsrahmen als in den Vorjahren. Diese Stabilität, gepaart mit der schweizerischen fiskalischen Disziplin, sorgt für eine anhaltend aktive Nachfrage. Das Risiko einer Immobilienblase bleibt jedoch – wenn auch auf moderatem Niveau – unter Beobachtung: Der UBS-Index erreichte im zweiten Quartal 2026 0,72 Punkte, ein Wert, der bei Investoren zu einer gewissen Wachsamkeit mahnt (Agefi, August 2026).
Perspektiven für Investoren
Der Schweizer Immobilienmarkt bleibt eine strategische Anlageklasse. Renditeliegenschaften ziehen weiterhin Kapital an, da sie Schutz vor Inflation und geopolitischer Instabilität bieten. Wir bei der OAKS GROUP SA beobachten, dass sich der Fokus der Wertschöpfung zunehmend auf die energetische Performance und Nachhaltigkeit von Vermögenswerten verlagert. Die Fähigkeit, Gebäude zu sanieren und an neue Umweltstandards anzupassen, entwickelt sich zum wichtigsten Renditehebel der kommenden Jahre.
Wichtige Erkenntnisse
- Das Schweizer BIP-Wachstum wird für 2026 auf 1,3 % geschätzt, was den Sektor indirekt stützt.
- Die Preise für Wohnimmobilien dürften im Jahresverlauf um 2,4 % zulegen.
- Die nationale Leerstandsquote bleibt mit unter 1,1 % extrem niedrig.
- Die 10-jährigen Hypothekarzinsen haben sich bei rund 1,85 % stabilisiert und bieten bessere Planungsgrundlagen.
- Die Sanierung des Immobilienbestands ist für nahezu 90 % der Eigentümer zu einer Priorität geworden.
Häufig gestellte Fragen
Warum steigen die Preise trotz des konjunkturellen Umfelds weiter?
Der Anstieg ist primär auf eine strukturelle Wohnungsnot, ein stetiges Bevölkerungswachstum und eine Bautätigkeit zurückzuführen, die nicht ausreicht, um die Nachfrage zu decken.
Welchen Einfluss haben die aktuellen Hypothekarzinsen auf Käufer?
Die Stabilisierung der Zinsen bei etwa 1,85 % für 10-jährige Laufzeiten ermöglicht es Haushalten, ihre Investitionen besser zu planen, was die Unsicherheit, die den Markt 2024 und 2025 prägte, spürbar reduziert.
Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für Investitionen in Renditeimmobilien?
Ja, sofern der Fokus auf qualitativ hochwertigen, gut gelegenen Objekten liegt, die den aktuellen energetischen Standards entsprechen, da der Wert von Immobilien zunehmend von ihrer Umweltbilanz abhängt.
Quellen
- JSRE, "Schweizer Immobilienmarkt 2026: Leistungsanalyse", April 2026.
- Agefi, "Schweizer Immobilienmarkt: Akteure, Zahlen und Herausforderungen", August 2026.
- Wüest Partner, "Schweizer Immobilienmarkt 2026", Februar 2026.
- Le Temps, "Wird der Schweizer Immobilienmarkt zum Markt für Grossbesitzer?", September 2026.
- SBFI, "Leerstandsquote bei Wohnungen fiel 2025 auf 1 %".


