27. Oktober 2023 — Ramzi Chamat
Umfassende Analyse der Wohnungsleerstandsquote in der Schweiz: Auswirkungen und Ausblick 2023.

Die Dynamik des Schweizer Immobilienmarktes hat seit der Einführung der Negativzinsen im Jahr 2014 bedeutende Wendepunkte erlebt und eine Ära bemerkenswerter Schwankungen bei den Wohnungsleerstandsquoten eingeläutet. Im Jahr 2023 beobachten wir einen deutlichen Rückgang dieser Quote – ein Phänomen, das eine vertiefte Analyse erfordert, um die zugrunde liegenden Auswirkungen und Trends zu verstehen. Dieser Artikel zielt darauf ab, diese Entwicklungen zu entschlüsseln, indem er einen detaillierten Einblick in aktuelle Daten, regionale Unterschiede und die wirtschaftlichen Auswirkungen auf den Schweizer Immobilienmarkt bietet. Ein notwendiger Beitrag für alle, die verstehen möchten, welche Kräfte das Wohnen in der Schweiz heute prägen.
**Einführung **
Der Immobilienmarkt in der Schweiz wurde lange Zeit als ein Pfeiler der Stabilität und des Wohlstands in Europa wahrgenommen. Seit Ende 2014 jedoch, mit der Einführung der Negativzinsen und unter dem Impuls eines anhaltenden Bevölkerungswachstums, hat der Sektor erhebliche Transformationen durchlaufen. Zum 1. Juni 2023 liegt die Wohnungsleerstandsquote bei 1,15 %, was nicht nur das Ende eines langen Leerstandszyklus markiert, sondern auch den Anbruch einer neuen Ära für die Schweizer Immobilienwirtschaft. Die Auswirkungen dieser Veränderungen sind beträchtlich und betreffen alle Marktteilnehmer, von Eigentümern bis hin zu Mietern, nicht zu vergessen die Wirtschaft als Ganzes.
I. Kontext und Kennzahlen
Den aktuellen Publikationen des Bundesamtes für Statistik (BFS) zufolge befindet sich die Schweizer Immobilienlandschaft in einem tiefgreifenden Wandel. Innerhalb eines Jahres verzeichnete die Schweiz einen Rückgang um 7'000 leerstehende Einheiten, was zu einem Gesamtwert von 54'700 führt. Diese Bewegung spiegelt einen echten Paradigmenwechsel wider und bringt die Wohnungsleerstandsquote auf den niedrigsten Stand seit Einführung der Negativzinsen im Jahr 2014. Dieser rückläufige Trend war vor allem in den Kantonen zu beobachten, deren Leerstandsquoten über dem nationalen Durchschnitt lagen, während die Regionen Zürich, Genf und die Zentralschweiz bereits eine Untergrenze erreicht zu haben scheinen. Landesweit verzeichnete das Segment der leerstehenden Mietwohnungen einen Rückgang von über 8'000 Einheiten. Parallel dazu ist die Zahl der zum Verkauf stehenden Immobilien leicht gestiegen, was das Gesamtbild des Schweizer Immobilienmarktes zusätzlich komplex macht.
II. Regionale Unterschiede und Wohnungsgrössen
Die regionalen Unterschiede im Schweizer Immobiliensektor sind frappierend und verdienen besondere Aufmerksamkeit. Die Kantone Genf und Zürich sowie die Zentralschweiz zeichnen sich durch aussergewöhnlich niedrige Leerstandsquoten von rund 0,5 % aus. Im Gegensatz dazu weisen die Kantone Tessin, Solothurn und Jura deutlich höhere Zahlen auf, wobei der Jura sogar einen leichten Anstieg verzeichnet.
Diese Kontraste werden noch deutlicher, wenn man die Verteilung nach der Wohnungsgrösse betrachtet. Kleine und mittlere Einheiten mit bis zu vier Zimmern sind stark gefragt, was zu einem Rückgang der leerstehenden Einheiten um fast 15 % führte. Demgegenüber stieg die Zahl der leerstehenden Einheiten bei grösseren Wohnungen mit fünf oder mehr Zimmern um fast 10 % an.
Dieser Trend unterstreicht eine deutliche Veränderung der Wohnpräferenzen mit einer ausgeprägten Tendenz zu kleineren und erschwinglicheren Räumen. Er spiegelt auch die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Wohnwahl der Schweizer wider, in einem Umfeld, in dem Mieten und Verbraucherpreise stetig steigen. Zusammengenommen spielen diese Elemente eine entscheidende Rolle für das Verständnis der aktuellen und zukünftigen Dynamiken des Schweizer Immobilienmarktes.
III. Wirtschaftliche Analyse und Zukunftsaussichten
Die aktuelle Lage des Schweizer Immobilienmarktes hat erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen. Der signifikante Anstieg des Wanderungssaldos in den letzten zwölf Monaten – um 25 % gegenüber dem Vorjahr und um 70 % im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie – zeugt von einer wachsenden Wohnungsnachfrage. Diese Nachfrage trifft jedoch auf eine voraussichtliche Verlangsamung der Bautätigkeit, bedingt durch die rückläufige Zahl der in den letzten zwei Jahren erteilten Baugenehmigungen.
Vor diesem Hintergrund gehen wir von einer Fortsetzung des Rückgangs der Leerstandsquote aus, die bis zum 1. Juni 2024 unter die 1 %-Marke fallen könnte. Dieser Aufwärtstrend dürfte seinerseits den Druck auf die Mietpreise erhöhen. Wir prognostizieren für Ende 2023 einen Anstieg der Angebotsmieten um 2,5 % gegenüber dem Vorjahr und erwarten eine Fortsetzung dieses Trends im Jahr 2024, wobei die Steigerung bis zu 5 % erreichen kann.
Diese kombinierten Faktoren skizzieren eine Zukunft, in der verfügbare Wohnungen knapper und die Mietkosten höher sein werden. Diese Situation dürfte die Umzugsneigung dämpfen und sich auf die Haushaltsgrössen auswirken, wodurch sich die Leerstandsquote ab 2025 stabilisieren sollte. Diese Analyse unterstreicht, wie entscheidend es ist, die Marktentwicklungen aufmerksam zu verfolgen, um die kommenden Herausforderungen und Chancen im Schweizer Immobiliensektor zu verstehen.
Fazit
Der Immobiliensektor in der Schweiz befindet sich derzeit an einem Wendepunkt, der das Ende einer Epoche und den Beginn einer neuen markiert. Der rasante Rückgang der leerstehenden Wohnungen und der erwartete Mietpreisanstieg sind Anzeichen einer Landschaft im Wandel. Diese Veränderungen erfordern eine erhöhte Aufmerksamkeit und Wachsamkeit seitens der Marktakteure. Die sorgfältige Prüfung der Wohnungsleerstandsquote offenbart die wirkenden Dynamiken und unterstreicht die entscheidende Bedeutung, fundierte Strategien zu verfolgen und über tiefgreifende Branchenkenntnisse zu verfügen, um erfolgreich in diesem neuen Umfeld zu agieren.
Quelle: UBS AG


