28. Juli 2023 — Ramzi Chamat
Wüest Partner Studie 2023: Anhaltender Mietanstieg in der Schweiz

Laut einer fundierten Immobilienstudie des Unternehmens Wüest Partner verzeichnen die Mieten in der Schweiz auch im Jahr 2023 ein anhaltendes und ungebrochenes Wachstum. Dieser Aufwärtstrend wird durch verschiedene wirtschaftliche und demografische Faktoren angetrieben, was zu einem konstanten Druck auf den Wohnungsmarkt führt.
In den letzten Jahrzehnten erlebte die Schweiz einen signifikanten Anstieg der Mieten. Zwischen 1980 und 2022 haben sich die angebotenen Mieten fast verfünffacht, was einem Zuwachs von etwa 145% entspricht. Dieses durchschnittliche jährliche Wachstum von 2,15% ist hauptsächlich auf die Inflation zurückzuführen, die den Immobiliensektor in diesem Zeitraum beeinflusst hat.
Der Mietanstieg im Jahr 2023 ist auf mehrere miteinander verknüpfte Faktoren zurückzuführen. Erstens wirken sich höhere Zinssätze direkt auf die Kosten der Immobilienfinanzierung aus, was sich auf Eigentümer auswirken und zu höheren Mieten für Mieter führen kann. Zweitens spielt die Inflation weiterhin eine dominierende Rolle, da sie die Bau- und Instandhaltungskosten von Immobilien in die Höhe treibt.
Ein weiterer wesentlicher Grund für diesen Aufwärtstrend ist der Mangel an verfügbaren Mietwohnungen. In den letzten zwei Jahren ist die Anzahl der verfügbaren Wohnungen signifikant gesunken, was einem Rückgang von 31% entspricht. Diese Angebotsverknappung führt zu einer steigenden Nachfrage nach verfügbarem Wohnraum, wodurch ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage entsteht, das Mietpreiserhöhungen begünstigt.
Das Bevölkerungswachstum der Schweiz ist ebenfalls ein Schlüsselelement, das zum Anstieg der Mieten beiträgt. Die Schweizer Bevölkerung wächst weiter, was zu einer erhöhten Nachfrage nach Wohnraum führt – sowohl bei Eigentums- als auch bei Mietobjekten. Dieser demografische Druck übt zusätzlichen Einfluss auf den Immobilienmarkt aus und verstärkt den Aufwärtstrend der Mieten.
Nach den Prognosen von Wüest Partner dürfte der durchschnittliche Mietanstieg im Jahr 2023 die 3%-Marke überschreiten. Diese deutliche Erhöhung wird erhebliche Auswirkungen auf Mieter haben, die mit höheren Wohnkosten konfrontiert sein werden. Regionen, in denen die Nachfrage das Angebot übersteigt, werden besonders von diesem Mietanstieg betroffen sein. In 36 der 106 analysierten Regionen übersteigt die Nachfrage bereits das Vierfache des Angebots, was zusätzlichen Preisdruck erzeugt.
Die Leerwohnungsziffer ist ein Schlüsselindikator zur Prognose der Mietpreisentwicklung. Eine niedrige Leerwohnungsziffer – das heißt ein geringer Prozentsatz leerstehender Wohnungen im Verhältnis zur Gesamtzahl verfügbarer Wohnungen – weist in der Regel auf eine starke Nachfrage nach Mietwohnungen hin. Im Jahr 2022 lag die Leerwohnungsziffer bei 1,31%, was die Stabilität der Mieten bestätigte. Für 2023 wird ein leichter Rückgang der Leerwohnungsziffer erwartet, was einen weiteren Mietanstieg vermuten lässt.
Die Situation ist für künftige Eigentümer kaum ermutigender, da die Preise für Immobilientransaktionen seit Sommer 2022 bereits um 3,4% gestiegen sind. Auch die hohen Zinssätze haben eine Rolle bei diesem Preisanstieg gespielt und den Erwerb von Wohneigentum für viele potenzielle Käufer verteuert.
Wohnungen sind von diesem Preisanstieg besonders betroffen, wobei der Anstieg hier noch ausgeprägter ist als bei Einfamilienhäusern. Dies mag paradox erscheinen, da die Anzahl der zum Verkauf stehenden Wohnungen höher ist als bei Einfamilienhäusern. Dies lässt sich jedoch durch eine anhaltend hohe Nachfrage und Preise erklären, die im Allgemeinen etwa 30% unter denen von Einfamilienhäusern liegen. Die Attraktivität von Zweitwohnungen trägt ebenfalls zu diesem Preisanstieg bei Wohnungen bei.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Mietanstieg in der Schweiz im Jahr 2023 das Ergebnis mehrerer Faktoren ist, insbesondere hoher Zinssätze, anhaltender Inflation, knapper Mietwohnungsangebote und eines stetigen Bevölkerungswachstums. Dieser Aufwärtstrend dürfte in den kommenden Jahren weiterhin Druck auf Mieter, Vermieter und potenzielle Käufer ausüben und signifikante Auswirkungen auf den Schweizer Immobilienmarkt haben.
Quellen: Wüest Partner


