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20. Januar 2026 — Ramzi Chamat

Warum die Wohnungsnot in der Schweiz andauern wird

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Die angespannte Situation auf dem Schweizer Wohnungsmarkt ist kein konjunkturelles Phänomen mehr. Sie resultiert aus einem strukturellen Ungleichgewicht zwischen einer anhaltend hohen Nachfrage und einem dauerhaft eingeschränkten Angebot. Historisch niedrige Leerstandsquoten, lange Bauzeiten und hohe Kosten führen zu demselben Schluss: Der aktuelle Druck wird sich nicht so schnell auflösen.

In der Praxis zeigt sich diese Realität schon lange vor den Statistiken. Die Wohnungssuche dauert länger. Der Bau eines Gebäudes wird komplexer. Jede Entscheidung bringt mehr Auflagen, längere Fristen und höhere Risiken mit sich. Der Markt funktioniert nicht punktuell schlecht: Er funktioniert dauerhaft unter Druck.

Ein Markt bereits in Mangelsituation

Seit mehreren Jahren bewegt sich der Wohnungsmarkt unterhalb des allgemein anerkannten Gleichgewichtsschwellenwerts. Die nationale Leerstandsquote liegt bei rund 1,0 %, während ein funktionierender Markt etwa 1,5 % benötigt. Unter diesem Niveau wird der Mangel strukturell.

In den grossen städtischen Zentren ist die Situation noch angespannter. In Genf liegt die Leerstandsquote bei rund 0,34 %. In Zürich beträgt sie etwa 0,48 %. Auf diesen Niveaus funktioniert der Markt ohne Reserven. Jede freigewordene Wohnung wird sofort absorbiert, ohne Pufferkapazität.

Konkret bedeutet dies, dass kein Schock – demografisch, wirtschaftlich oder institutionell – absorbiert werden kann, ohne sofortigen Druck auf die Mieten und den Zugang zu Wohnraum auszuüben.

Ein aufgestauter, nie behobener Mangel

Die aktuelle Anspannung ist nicht das Ergebnis einer jüngsten Verlangsamung des Bausektors. Sie ist das Produkt eines über ein Jahrzehnt angesammelten Defizits. Jahr für Jahr blieb die Produktion von Wohnraum hinter dem tatsächlichen Bedarf zurück.

Auf nationaler Ebene beläuft sich dieses Defizit auf Zehntausende von Einheiten. Selbst in Zeiten hoher Bautätigkeit hat der Bau keinen ausreichenden Bestand aufbauen können. Der Markt bewegt sich in einem permanenten Schwebezustand.

In der Praxis bedeutet dies, dass jede neu gelieferte Wohnung einen bestehenden Bedarf deckt, ohne jemals zusätzlichen Spielraum zu schaffen. Der Rückstand wird nicht aufgeholt. Er verschiebt sich.

Zeitrahmen, die mit der Entwicklung der Nachfrage unvereinbar sind

Zwischen der Identifizierung eines Grundstücks und der tatsächlichen Fertigstellung eines Gebäudes vergehen im Durchschnitt acht bis zwölf Jahre. Diese Frist umfasst die Raumplanung, die Genehmigungsverfahren, die Einsprachen, die Rekurse und die schrittweisen Anpassungen.

Diese lange Dauer ist kein Resultat punktueller Fehlfunktionen. Sie ist dem Schweizer Modell inhärent, das die Konsultation, die Rechtssicherheit und die Steuerung der Raumentwicklung bevorzugt.

Doch dieser Rahmen schafft eine strukturelle Diskrepanz: Die Nachfrage entwickelt sich schneller als die Reaktionsfähigkeit des Systems. Entscheidungen, die heute getroffen werden, werden erst weit nachdem der aktuelle Druck noch weiter gestiegen ist, Wirkung zeigen.

Nachhaltig höhere Kosten

In den letzten fünf Jahren sind die Baukosten um 20 % bis 30 % gestiegen. Dieser Anstieg ist das Ergebnis konvergenter Faktoren: steigende Materialpreise, angespannte Lage auf dem qualifizierten Arbeitsmarkt, zunehmende Komplexität der Projekte und kontinuierliche Verschärfung der Energie- und Umweltstandards.

Diese Anforderungen spiegeln kollektive Entscheidungen zugunsten der Nachhaltigkeit und der Qualität des Gebäudes wider. Sie verbessern die Leistung von Wohnungen langfristig, stellen aber auch eine höhere Kostenbasis dar.

In der tatsächlichen Projektabwicklung gibt es heute keine Hebel, die eine Rückkehr zu früheren Kostenniveaus ermöglichen. Diese Realität wird inzwischen von allen Akteuren des Sektors anerkannt.

Wachsender Druck auf die Haushalte

Die Knappheit beschränkt sich nicht auf makroökonomische Indikatoren. Sie verändert konkret den Zugang zu Wohnraum. Die Mieten bei Wiedervermietung steigen, die Auswahlkriterien werden strenger und die Suchfristen verlängern sich.

Haushalte mit mittlerem Einkommen sind besonders betroffen. Zu zahlungsfähig, um von spezifischen Massnahmen zu profitieren, aber nicht ausreichend gerüstet, um kontinuierliche Erhöhungen abzufedern, geraten sie zunehmend unter Druck.

Wohnraum wird so zu einem Faktor sozialer Selektion, mit sichtbaren Auswirkungen auf die Zusammensetzung von Quartieren und die räumliche Verteilung der Haushalte.

Unterschätzte wirtschaftliche Auswirkungen

Ein anhaltend angespannter Wohnungsmarkt betrifft nicht nur die Haushalte. Er belastet die Wirtschaft direkt. Die berufliche Mobilität wird komplizierter, die Rekrutierung schwieriger und einige Unternehmen verzichten darauf, sich in den angespanntesten Gebieten niederzulassen oder dort zu expandieren.

Mittelfristig schwächt diese Einschränkung die Attraktivität von Wirtschaftszentren. Haushalte ziehen weg, Pendelzeiten verlängern sich und die Infrastrukturen werden stärker beansprucht.

Wohnraum wird so zu einem strategischen Parameter der territorialen Wettbewerbsfähigkeit.

Warum wird sich die Situation nicht schnell entspannen?

Mehrere Faktoren führen zu demselben Ergebnis. Die Nachfrage bleibt stark, angetrieben durch demografische Dynamik und wirtschaftliche Attraktivität. Das Angebot bleibt eingeschränkt durch Landverfügbarkeit, Planung und Produktionsfristen.

Die eingeleiteten politischen Massnahmen sind notwendig, aber ihre Auswirkungen werden sich über zehn bis zwanzig Jahre bemerkbar machen. Kurzfristig ändern sie nichts an der grundlegenden Gleichung des Marktes.

Auf eine schnelle Neuausrichtung zu hoffen, ignoriert die spezifische Zeitlichkeit des Wohnungsmarktes.

Langfristige Perspektive

Der Wohnungsmarkt in der Schweiz ist in eine Phase eingetreten, in der angespannte Situation zur Norm wird. Diese Situation ist weder zufällig noch vorübergehend. Sie resultiert aus bewussten, aber einschränkenden institutionellen, territorialen und gesellschaftlichen Entscheidungen.

Langfristig wird nur eine nachhaltige, kontinuierliche und politisch akzeptierte Produktion den Druck mildern können. Vorerst wird Knappheit ein strukturierender Parameter des Marktes bleiben.

Schlussfolgerung

Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt wird kurzfristig nicht verschwinden. Die Zahlen, die Fristen und die Kosten führen zu einer klaren Erkenntnis: Das Angebot kann die widerstandsfähige Nachfrage nicht mehr decken.

Diese Realität offen anzuerkennen, ist nichts Alarmistisches. Es ist eine notwendige Bedingung, um verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen, die auf die lange Frist ausgerichtet sind. Wohnraum ist zu einem zentralen Faktor für wirtschaftliche und soziale Stabilität geworden. Und in den kommenden Jahren wird die angespannte Situation voraussichtlich andauern.

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