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27. September 2024 — Ramzi Chamat

Sinkende Leerwohnungsziffer in der Schweiz: Analyse und Ausblick

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Die Schweiz steht vor einer Immobilienkrise, die durch den kontinuierlichen Rückgang der Leerwohnungsziffer gekennzeichnet ist, insbesondere in den Grossstädten und den Westschweizer Kantonen. Diese Wohnungsnot, verschärft durch demografische, wirtschaftliche und regulatorische Faktoren, führt zu Spannungen auf dem Immobilienmarkt und erschwert den Zugang zu Miet- oder Eigentumsobjekten. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Zahlen, die tiefer liegenden Ursachen und die Zukunftsaussichten für diesen dynamischen Markt.

Einleitung

Seit einigen Jahren verzeichnet die Schweiz einen signifikanten Rückgang der Leerwohnungsziffer. Im Jahr 2024 verstärkt sich dieses Phänomen und betrifft vor allem Grossstädte wie Genf, Lausanne und Zürich, was zu erheblichen Spannungen auf dem Immobilienmarkt führt. Die neuesten Daten belegen einen kontinuierlichen Rückgang des verfügbaren Wohnraums, was wachsende Sorgen hinsichtlich der Zukunft des Mietmarktes und des Zugangs zu Wohneigentum aufwirft.

I. Historischer Rückgang der Leerwohnungsbestände

Das Bundesamt für Statistik (BFS) hat zum 1. Juni 2024 alarmierende Zahlen veröffentlicht. Die Leerwohnungsziffer im Kanton Waadt ist auf 0,96% gesunken, ein Schwellenwert, der seit 2017 nicht mehr erreicht wurde. Dieser Rückgang, der sich seit mehreren Jahren abzeichnete, unterstreicht die zunehmende Schwierigkeit für Bewohner, eine freie Miet- oder Eigentumswohnung zu finden. Auf nationaler Ebene liegt die durchschnittliche Leerwohnungsziffer bei 1,08%, was zur Deckung der Nachfrage nicht ausreicht.

Genf ist mit einer Leerwohnungsziffer von nur 0,46% eine der am stärksten betroffenen Städte. Obwohl dieser Wert leicht über dem der beiden Vorjahre liegt, bleibt er äusserst niedrig und spiegelt den starken Druck auf den Genfer Immobilienmarkt wider. In den anderen Westschweizer Kantonen sind die Quoten etwas höher, aber der allgemeine Trend bleibt besorgniserregend: 1,16% in Freiburg, 1,21% in Bern, 1,43% im Wallis und 1,68% in Neuenburg. Der Kanton Jura sticht jedoch mit einer Quote von 2,98% hervor und ist der einzige Ort, an dem das Wohnungsangebot die Nachfrage offenbar decken kann.

II. Grossstädte unter Druck

Die Schweizer Grossstädte befinden sich in einer besonders angespannten Lage. Zürich und Genf weisen beide eine Leerwohnungsziffer von 0,58% auf, während Lausanne mit 0,67% dicht folgt. Diese Zahlen verdeutlichen einen chronischen Wohnungsmangel, insbesondere in den urbanen Zentren. Bern (0,76%) und Basel (0,84%) zeigen ebenfalls Anzeichen einer Verknappung, wenn auch in geringerem Masse.

Dieses Wohnungsdefizit ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Einerseits erhöhen das Bevölkerungswachstum und die wirtschaftliche Attraktivität der Grossstädte die Nachfrage kontinuierlich. Andererseits wird der Neubau durch strenge Vorschriften, hohe Kosten und die begrenzte Verfügbarkeit von Bauland gebremst. So kann das Angebot nicht mit dem Tempo der Nachfrage Schritt halten, was zu einem Anstieg der Mieten und Immobilienpreise führt.

III. Die tieferen Ursachen des Leerwohnungsrückgangs

Verschiedene Elemente tragen zum kontinuierlichen Sinken der Leerwohnungsziffer bei. Zunächst bleibt die Bautätigkeit vergleichsweise gering, insbesondere aufgrund regulatorischer Hindernisse sowie langwieriger und komplexer Bewilligungsverfahren. Urbane Gebiete sehen sich mit erheblichen räumlichen Einschränkungen konfrontiert, was den Bau neuer Wohnungen erschwert.

Zudem agieren Investoren aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheiten und Marktschwankungen vorsichtiger bei Immobilienentwicklungen. Steigende Baukosten und strengere Nachhaltigkeitsanforderungen verlangsamen zudem die Fertigstellung neuer Projekte. Darüber hinaus konzentrieren sich Neubauten häufig auf den gehobenen Standard, der für einen grossen Teil der Bevölkerung unerschwinglich ist, was das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage weiter verschärft.

IV. Divergenz zwischen Miet- und Kaufmarkt

Das Jahr 2024 zeigt eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen Miet- und Eigentumsobjekten. Laut BFS setzt sich der Rückgang der leerstehenden Mietwohnungen, der 2021 begann, fort, jedoch weniger stark. Im Gegensatz dazu stieg die Zahl der leerstehenden Eigentumswohnungen um 999 Einheiten, was einem Anstieg von 9,5% entspricht. Diese Dynamik ist teilweise auf die zunehmenden Schwierigkeiten der Haushalte zurückzuführen, aufgrund steigender Preise und verschärfter Finanzierungsbedingungen Wohneigentum zu erwerben.

Vor diesem Hintergrund bleiben Mietwohnungen sehr begehrt, und deren Verknappung trägt zur Eskalation der Mieten bei, was den Zugang zu Wohnraum insbesondere für junge Menschen und einkommensschwache Familien erschwert. Diese Situation birgt bedeutende sozioökonomische Herausforderungen, die Ungleichheiten und das Risiko von Prekarität verstärken.

V. Die Lage in Genf: Ein drastisches Beispiel

Genf veranschaulicht die Komplexität des Schweizer Immobilienmarktes. Die Stadt, die aufgrund ihrer internationalen Attraktivität und wachsenden Bevölkerung mit einer hohen Nachfrage konfrontiert ist, stösst bei der Immobilienentwicklung auf erhebliche Grenzen. Bauland ist rar, und strenge Vorschriften schränken die Möglichkeiten für Neubauten stark ein.

Die Knappheit an leerstehenden Wohnungen in Genf führt direkt zu steigenden Mieten, was viele Bewohner dazu zwingt, Alternativen in den umliegenden Gemeinden oder gar in benachbarten Kantonen zu suchen. Dies führt zu einem immer stärker ausgeprägten Pendlerphänomen, bei dem Genfer Arbeitnehmer lange Wege zu ihrem Arbeitsplatz zurücklegen müssen, was Probleme bei der Mobilität und ökologische Auswirkungen mit sich bringt.

VI. Perspektiven und künftige Herausforderungen

Der Rückgang der Leerwohnungsziffer in der Schweiz wirft entscheidende Fragen für die Zukunft auf. Wie kann dieser Mangel behoben werden, ohne die Lebensqualität und die Umwelt zu gefährden? Eine Lösung liegt in der Anpassung der Stadt- und Wohnungsbaupolitik. Die Behörden müssen den Bau von erschwinglichem Wohnraum, insbesondere in periurbanen Gebieten, fördern und gleichzeitig die administrativen Prozesse für Immobilienprojekte vereinfachen.

Darüber hinaus muss die Entwicklung von nachhaltigem und energieeffizientem Wohnraum Priorität haben, um den klimatischen Herausforderungen zu begegnen und gleichzeitig das Angebot zu erhöhen. Finanzielle Anreize könnten Investoren und Bauträger dazu bewegen, ihre Projekte stärker auf erschwingliche Wohnungen auszurichten.

Schliesslich könnte die Förderung von Stockwerkeigentum oder genossenschaftlichem Wohnen eine attraktive Alternative darstellen, um das Angebot zu diversifizieren und den Zugang zu Wohneigentum für mehr Haushalte zu erleichtern. Die Integration dieser verschiedenen Hebel wird dazu beitragen, den Druck auf den Immobilienmarkt zu mindern und ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wiederherzustellen.

Fazit

Die Leerwohnungsziffer in der Schweiz sinkt weiter, was den wachsenden Druck auf dem Immobilienmarkt widerspiegelt. Die Westschweizer Kantone, insbesondere Genf und Lausanne, sind mit einem Mangel konfrontiert, der den Zugang zu Wohnraum für viele Menschen verkompliziert. Die Kombination aus Faktoren wie geringer Bautätigkeit, regulatorischer Komplexität und Markttrends trägt zu dieser kritischen Lage bei.

Um dem entgegenzuwirken, ist eine tiefgreifende Reflexion über die Wohnungs- und Stadtbaupolitik erforderlich, wobei der Fokus auf dem Bau von erschwinglichem Wohnraum, der Diversifizierung des Angebots und einem nachhaltigen Ansatz in der Immobilienentwicklung liegen sollte. Dies ist eine grosse Herausforderung für die kommenden Jahre, aber unerlässlich, um eine faire Lebensqualität und den sozialen Zusammenhalt im Land zu sichern.

Ramzi Chamat

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